@ Gewuerznuss_Kevin Drasl

Mr. Gewürznuss

Im Hintergrund läuft Musik, als Kevin Drasl abnimmt: Gut sechzig Kilo Nüsse will der „Chefkoch“ heute noch rösten. Vier verschiedene Sorten, edle Snacks für den Verkauf über den Onlineshop und Feinkostläden. Sie sind die Antwort eines Feinschmeckers, Veganers und Marokko-Liebhabers auf den bestehenden Snack-Markt.  Im Gespräch mit einem ehemaligen „Tiefkühl-Faulpelz“ und Gründer aus Leidenschaft.

 

Kevin, was ist „Gewürznuss“?

Das ist unsere Antwort auf den geschmacksverstärkten, ölgetränkten, fettigen Knabber- und Snackmarkt! Wir wollen beweisen, wie lecker ein gesunder Snack sein kann. Unser Prinzip ist das Basisprodukt „Nuss“ mit spannenden Gewürzen, ohne Emulgatoren und Co.

 

Wie hat es Dich in die Lebensmittel-Branche verschlagen?

Tatsächlich war auch ich ja mal ein „TK-Fauli“, ein Tiefkühl-Faulpelz. So hat mich meine Mitbewohnerin zu Beginn meines Studiums getauft. Ich habe dann aber angefangen mich mit Ernährung zu beschäftigen und mich zum Veganer entwickelt. Nach dem Studium habe ich ein Jahr lang in Marokko gelebt und gearbeitet. Veganer sein ist da schwieriger, man kann halt nicht in jedem Supermarkt Quinoa kaufen. Stattdessen gibt es aber an jedem Stand Nüsse – so wie in Deutschland Zeitungen. Die sind vegan und nahrhaft, also habe ich jeden Nachmittag Nüsse gegessen. Nach zwei Monaten waren die zwar immer noch lecker, aber auch irgendwie eintönig. So habe ich selbst angefangen, Nüsse zuhause in der Pfanne zu rösten. Man hat in Marokko immer riesige Vorräte Gewürze zuhause, da sie in großen Büscheln für echt wenig Geld verkauft werden. Ich habe also Thymian und Rosmarin mit in die Pfanne geschmissen. Das hat zwar noch nicht aneinander gehalten, war aber sehr lecker. Mittlerweile weiß ich, wie man es anstellen muss, damit die Kräuter an der Nuss kleben bleiben. Drei Stunden dauert die Fertigung. Höchste Qualität, handgemacht.

 

Bist du Alleinröster oder hast Du Mitarbeiter, die Dir zur Hand gehen?

Bis Mitte Oktober war ich tatsächlich allein, mittlerweile habe ich mir Hilfe geholt. Es gab einen Schlüsselmoment, als ich in der Küche stand und Gläser abgefüllt habe. Fünf- oder sechshundert hatte ich noch vor mir. Und ich dachte: „Scheiße, das wird noch zehn Stunden dauern! Und dann muss noch etikettiert werden! Und eigentlich muss ich ja verkaufen! So kann das nicht weitergehen.“ Seit Oktober arbeiten zwei Syrer in Teilzeit bei mir, einer war früher mal Koch. Mittlerweile sind auch noch zwei Studenten mit an Bord, die in Bremerhaven Lebensmitteltechnologie studieren.

 

Erzähl mal: Was ist das bisherige Highlight Deiner Startup-Karriere?

Einer der coolsten Momente war, als ich das erste Mal die Nüsse im Laden gesehen habe. Das war im November 2015. Die Ware stand da im Regal, in der Verpackung, die ich entworfen habe – das war schon ein besonders außergewöhnlicher Moment.

 

Hast Du einen Tipp für Startup-Gründer?

Für mich persönlich ist der Reflektionsprozess das Wichtigste. Was lief gut, was noch nicht so? Einmal ist da die externe Reflektion, ich muss immer ein offenes Ohr für Kunden und Händler haben. Und zur inneren Reflektion habe ich mir angewöhnt, immer gegen vierte nach fünf, halb sechs Uhr morgens aufzustehen. Morgens gehört die Zeit mir. Ich setze mich ins Bett, Musik an, und schreibe einfach Gedanken auf.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

www.diegewuerznuss.de

 

 

Kevin Drasl hat von April 2016 bis April 2017 am Förderprogramm BRUT teilgenommen. Mehr Infos zum Programm