„Viel Geld ist gar nicht immer gut“

Christian Wedelich kennt sich aus im Startup-Business: Seit zehn Jahren arbeitet der studierte Soziologe für Startups und hilft ihnen beim Aufbau. Neuerdings ist der Bremer auch Chef von einem – das er nicht selbst gegründet hat.

Wir haben mit dem Geschäftsführer von ClipVilla über seine Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Startup-Alltag gesprochen.

 

Christian, wie wird man Startup-Chef, ohne zu gründen?

ClipVilla gibt es seit 2012. Kurz danach, im Herbst 2012, bin ich dazugekommen, als „Online-Shop Manager“. Die Job-Bezeichnungen sind bei Startups zu Beginn ja häufig noch recht willkürlich. Man weiß ja meist noch gar nicht, worauf es eigentlich hinausläuft. Letztes Jahr, nachdem sich die beiden Gründer und Ideengeber herausgezogen haben, habe ich die Geschäftsführung von ClipVilla übernommen. Eigentlich komme ich aus der Marktforschung, ich bin Soziologe. Seit zehn Jahren arbeite ich bei Startups und helfe ihnen beim Aufbau, zumeist als „Mann für alles“.

 

Was ist das Produkt von ClipVilla?

ClipVilla ist eigentlich als Webportal gegründet worden. Wir haben einen Online-Editor entwickelt, mit dem die Kunden Videos basteln und kaufen können. Damals war das Thema Video noch nicht so groß. Da wir unser Portal SEO-optimiert hatten, kamen plötzlich alle möglichen Anfragen. Einmal suchte jemand einen Sprecher für den Anrufbeantworter. Wir haben bei allem gerankt, haben Spots für Henkel produziert – und wir waren plötzlich eine Videoagentur. Heute bieten wir diverse Services an. Für Onlineshops, für Dialogmarketing. Es geht viel um Betreuung, da die Kunden im B2B-Bereich keine Zeit haben, sich in ein Programm wie unseren Editor einzuarbeiten.

 

Was hast du in den zehn Jahren im Startup-Business gelernt?

Meine erste Erkenntnis klingt vielleicht überraschend: Viel Geld ist gar nicht immer so gut. Zumindest zu Beginn. Unsere Gründer konnten unheimlich gut pitchen und haben viel Startkapital akkumuliert – aber das hat dem Startup in der Phase nicht nur gut getan. Denn eigentlich ging es erstmal darum, die Markttauglichkeit der Idee zu testen. Dass sie funktioniert, ist schließlich kriegsentscheidend. Aber jetzt hatten wir direkt den Druck, dass es funktionieren musste, schließlich war ein großer Teil des Investments in die Technologie geflossen! Es ging also nicht mehr ums „ob“, sondern nur ums „wie“.

Und es gibt noch zwei Missverständnisse oder Fehler, die ich immer wieder wahrnehme – als Soziologe beobachte ich schließlich gern. Erstens: Ideen, die im Kopf gut sind und gut gepitcht werden, sind noch lange nicht praxistauglich. Man muss genug Interesse am Kunden haben und die Idee anpassen, damit sie funktioniert. Es braucht Freude am echten Feedback, echte Umfragen. Startup-Tum endet nicht bei der Idee. Wer das denkt, wird frustriert sein. Genau wie die Kunden.

Und zweitens: Wenn ich ein IT-basiertes Startup gründe, brauche ich mindestens einen im Team, der sich mit It-Development auskennt. Sonst werde ich diverse Nachteile haben – wenn ich Leute einstelle, wenn ich mit Agenturen verhandele etc. Weil ich den Aufwand nicht einschätzen kann und die Sprache nicht spreche. Das ist schon fast interkulturelle Kommunikation!

 

Mit all diesen Erkenntnissen im Rücken müsstest Du eigentlich selbst nochmal ein Startup gründen.

Das würde mich schon reizen. Auch um herauszufinden, ob man die Fehler nicht auch trotzdem einfach selber macht. Aber erstmal bin ich hier bei ClipVilla ganz froh. Und es interessiert mich als Marktforscher natürlich, ob es uns hier gelingt, die Zeichen richtig zu lesen und gute Änderungen anzugehen. Das ist schließlich die Königsdisziplin.

 

Vielen Dank!

 

http://clipvilla.org/