TobyRich: Fliegen kann so einfach sein

Entstanden ist die Idee aus Frust. Die klobigen, schweren Fernsteuerungen von Modellfliegern waren Ulrich Ditschler und Tobias Dazenko ein Dorn im Auge. „Da haben wir einfach mal ´ne App fürs Smartphone entwickelt“, sagt Dazenko. TobyRich heißt das Startup, das von Bremen aus den Modellflugzeug-Markt revolutioniert.

 

Ein Kippen des Smartphones und der Flieger ändert seine Richtung. Die intuitive Steuerung ist es, die die Modellflugzeuge von TobyRich außergewöhnlich macht. Nur wenige Dutzend Gramm haben sie auf den Carbon-Rippen. Das Herz: eine hauchdünne Platine, die per Bluetooth Steuerbefehle empfängt. Sie gibt die Signale an den winzigen Elektromotor und das Seitenruder weiter. Seine Kraft schöpft der Flieger aus einem Akku, der gerade mal ein Gramm wiegt.

Was 2008 als Idee begann und 2011 mit der Gründung von TobyRich einen Rahmen bekam, ging 2013 als „Smartplane“ in die Serienfertigung. Entscheidend dafür: technische Entwicklungen außerhalb des Bürolofts von TobyRich in der Bremer Überseestadt. „Mit Bluetooth 4.0 gab es endlich eine Version mit geringem Stromverbrauch“, erläutert Tobias Dazenko. „Das war entscheidend für uns.“

 

Der Traum vom Fliegen wird Realität

Heute surrt bereits die zweite Generation des „Smartplane“ unter dem neuen Namen „Moskito“ durch zehntausende Haushalte. 50.000 Stück plant TobyRich jährlich zu verkaufen. „Wir haben im Vergleich zum Prototyp viel verbessert“, erklärt Ulrich Ditschler. „Das Moskito ist leichter, stabiler und hat vor allem deutlich mehr Schub – sie fliegt also auch draußen, auch bei Wind, und hat einfach deutlich mehr Power. Das ist schon spektakulär.“

Noch zwei neue Modelle kommen im April auf den Markt: das „SmartplanePro“ und das „Pro FPV“. FPV, First Person View, nimmt den Piloten direkt mit ins Cockpit. „Es ist, als würde man im Flieger sitzen“, schwärmt Ulrich Ditschler. Eine Kamera am Flugzeug überträgt das Bild direkt auf eine Virtual-Reality-Brille. „Schlecht oder schwindelig wird einem dabei nicht“, beruhigt der Entwickler. Stattdessen: die Welt aus der Vogelperspektive. Und das mit beiden Beinen auf dem Boden. Fliegen kann so einfach sein.

 

Top-Personal aus Bremen

Insgesamt acht Vollzeitkräfte kümmern sich in der Bremer Überseestadt um die Realisierung dieser Träume. Entwickler für Software, Hardware, Elektronik. Die zu finden, war für TobyRich kein Problem. „Da ist Bremen richtig gut aufgestellt“, so Ditschler. “Dank der Hochschule und der Jacobs University können wir in Sachen Human Resources aus dem Vollen schöpfen.“

Und auch an seine Rolle als Unternehmer hat er sich mittlerweile gewöhnt. „Plötzlich übernimmst du Verantwortung für Mitarbeiter, die wiederum Familien haben – das ist schon was anderes, als nur für sein eigenes Einkommen sorgen zu müssen“, resümiert Ditschler. Er ist bei TobyRich für die Finanzen zuständig, und das recht erfolgreich, „obwohl der BWL-Teil meines Studiums mir nicht so viel Spaß gemacht hat“, wie er mit einem Augenzwinkern zugibt. Nach einem Start-Investment der Bremer Aufbau Bank ist vor kurzem ein weiterer Investor bei den Spielzeug-Entwicklern eingestiegen.

 

„Höhle der Löwen“ leert die Regale

Während in Bremen eifrig entwickelt wird – weitere sieben Produkte sollen 2017 auf den Markt kommen – findet die Produktion in China statt. „Da sitzt einfach die Kompetenz in Sachen Fertigung von Spielzeug und Unterhaltungselektronik“, erklärt Ditschler. Aus über 100 Teilen besteht ein Modellflugzeug „und es ist deutlich mehr nötig als diese nur stumpf zusammenzusetzen.“ Auch die Kapazitäten zu erreichen, sei sonst häufig ein Problem, führt Ditschler aus.

Ausverkauft waren sie allerdings erst einmal – nach ihrem Auftritt in “Die Höhle der Löwen“. 200.000 Besucher besuchten die Homepage der Entwickler, für zehn Minuten ist sie unter den Top Ten der deutschen Websites. „Wir hatten extra einen Vorrat angelegt“, erinnert sich Ditschler. „Aber innerhalb kürzester Zeit war alles weg.“