Die Bioniker: „Wir generieren Wettbewerbsvorteile“

Eine Echse, die sich zur Verteidigung die Finger bricht. Pflanzen, die frieren – und als Reaktion die interne Heizung auf bis zu 50 Grad Celsius stellen: Das sind Phänomene, die Markus Hollermann und Felix Förster begeistern. Als „die Bioniker“ entwickeln die Bremer von der Natur inspirierte Lösungen.

 

„Ich rede sehr schnell, sorry!“ Markus Hollermann entschuldigt sich zum Einstieg. „Heute Morgen habe ich schon sehr viel Kaffee getrunken.“ Der Mann weiß, wie natürliche Prozesse in seinem Körper wirken. Kein Wunder: Neben der Ingenieurwissenschaft baut sein Fachgebiet, die Bionik, elementar auf die Biologie. Sie analysiert Funktionsweisen, Strukturen und Systeme, immer auf der Suche nach Lösungsmustern aus der Natur.

Inspirationen aus der Natur für technische Errungenschaften nutzen – diese Idee hat es den beiden Bremern Markus Hollermann und Felix Förster angetan. Sie wohnten und studierten zusammen, gewannen den Bionik-Award, nahmen 2011/2012 am Bremer Förderprogramm BRUT teil und gründeten 2011 ihr eigenes Unternehmen: die Bioniker. Unterstützt werden sie von Helge Banthin, der kurz nach der Gründung als Projektleiter eingestiegen ist.

 

Neue Möglichkeiten durch 3D-Druck

Eines der ersten Projekte der Bioniker: ein neuartiger Dübel für die Unternehmensgruppe fischer. Als tierisches Vorbild dafür dienten Zecken. Bis ein solches Ergebnis steht, fließt einige Zeit in Recherche und Ideenfindung. „Da kommt man von Hölzken auf Stöckchen“, beschreibt Hollermann den Inspirationsprozess. Es folgt die detaillierte Ausgestaltung am Computer und – ein wahrer Meilenstein für die Bionik – die Modellierung mithilfe von 3D-Druck-Verfahren. „Diese Technik hilft umzusetzen, was vorher nur denkbar war, Knochen- oder Pflanzenstrukturen zum Beispiel“, schwärmt Hollermann.

 

Einzigartig in ihrer Kompetenz

Mit ihrem Ansatz schließen die Bremer eine Marktlücke. „Es gibt keine weiteren Unternehmen, die Bionik so vermitteln und konkret in Unternehmen zur Lösungsfindung einbinden wie wir.“ Das Bionik-Innovations-Centrum (BIC) der Hochschule Bremen legt seinen Fokus vor allem auf die Forschungsexpertise. “Auch Ingenieurbüros oder Dienstleister, die mit kreativen Methoden arbeiten, gibt es natürlich schon in und um Bremen, aber wir bringen das auf einzigartige Art und Weise zusammen.“

Die Firmen, die auf Bionik und andere innovative Methoden und Technologien setzen, sind in der Tendenz Marktführer oder bewegen sich zumindest an der Branchenspitze, erklärt Hollermann. „Viele Unternehmen haben sicherlich bereits von der Bionik gehört, denken aber oft, dass es sehr viel mit Grundlagenforschung in der Biologie zu tun hat. Grundsätzlich braucht es diese Grundlagenforschung natürlich auch für die Bionik, aber man kann bereits auf einen sehr großen biologischen Wissensschatz zurückgreifen, ohne etwaige Forschungen im Bereich der Biologie initiieren zu müssen. Hier bieten wir knackige Lösungen, die in kurzer Zeit bereits in Produkte bzw. Bauteile implementiert werden können.“

 

Nachholbedarf bei KMUs

Besonders viel Potenzial sehen Hollermann und Förster bei den kleinen und mittleren Unternehmen, etwa in der produzierenden Industrie. Denen sei die Bionik zwar bekannt, eine Integration in ihre Produktentwicklung aber oft noch Neuland. „Die Unternehmen müssen den Mut aufbringen, neue Dinge auszuprobieren. Dafür benötigen sie die Unterstützung, die wir ihnen bieten“, so Hollermann, denn: „Nicht nur in der Natur gilt der Grundsatz ’survival of the fittest‘. Auch hier überlebt nicht der Stärkste, sondern derjenige, der sich am besten anpassen und entwickeln kann.“

Die, die sich getraut haben, dürften es nicht bereut haben. Die Liste ihrer Kunden lassen spannende Projekte erahnen. So haben die Bioniker beispielsweise schon für die Pumacy Technologies AG bei Airbus gearbeitet. Weitere Referenzen liegen aus der Befestigungsindustrie, der Medizintechnik, der Automobil- und Maschinenbaubranche vor. „Gerade arbeiten wir mit der Deutschen Bahn an einem hoch spannenden Projekt“, verrät Hollermann. Details darf er aber nicht preisgeben. „So ist das in unserer Branche“, erklärt er. „Wir generieren hier Wettbewerbsvorteile.“

 

Studierende der Hochschule lösen bei Airbus Probleme

Auch Airbus hat das erkannt und Hollermann mittlerweile über die Altran GmbH als „Haus-Bioniker“ engagiert. Und der hat gleich noch mehr frische Kompetenz mitgebracht: Im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule Bremen entwickeln Jahr für Jahr rund 30 Bionik-Studierende in fünf Teams Lösungen für den Luftfahrt-Konzern. „Das ist für alle Beteiligten eine wirklich wertvolle Kooperation.“

Inspiration biete die Natur für wirklich jede Problemstellung, ist Hollermann überzeugt. Mit wachsamen Augen sind die Bioniker ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Dass sie auch mal abschalten, passiert da eher selten. „Selbst im Fernsehen gibt es ja einige Reportagen über unsere Flora und Fauna und technische Entwicklungen. Das ist natürlich interessant und wird auch dann verfolgt. Die Augen offen halten und Neues ausprobieren gehört bei mir zum Alltag“, so Hollermann.